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Leitfaden OPS Dokumentation [312 kB]
 
 

Fallpauschalen

Leitfaden zur Dokumentation und Kodierung Künstlerischer Therapien
als psychosoziale Interventionen im Akutkrankenhaus

Achtung: Der auf der Systematik der Fallpauschalen basierende Leitfaden bezieht sich ab sofort auch auf alle psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen!
Ab Juli 2010 zur Kostenermittlung und dann ab 2013 als verpflichtende Abrechnungssystematik.
Entsprechende Codes wurden daher neu aufgenommen (z. B. 1-903 und 1-904 Diagnostik und 9-60?9-69 Behandlung bei psychischen und psychosomatischen Störungen und Verhaltensstörungen bei Erwachsenen bzw. bei Kindern und Jugendlichen).

Künstlerische Therapien (Kunsttherapie, Musiktherapie, u.a.) werden von qualifiziert ausgebildeten TherapeutInnen seit Jahrzehnten im Akutkrankenhaus angeboten. Diese Therapieformen sind integriert in interdisziplinäre Konzepte der jeweiligen Fachabteilungen (beispielsweise Onkologie, pädiatrische Onkologie und Hämatologie, Innere Medizin, Neurologie, Geriatrie, Sozialpädiatrie, Gynäkologie, Palliativmedizin, Frührehabilitation, Schmerztherapie, Anthroposophische Medizin). Als psychosoziale Mitarbeiter sind Kunsttherapeuten, Musiktherapeuten u.a. sowohl in psychosozialen Abteilungen als auch im Konsiliardienst integriert oder werden als ergänzende Angebote vorgehalten.
Insbesondere onkologische oder multimorbide Erkrankungen, Behinderungen, schwere sekundäre psychische Belastungen, Risikofaktoren durch psychosoziale Belastungen und Compliance-Störungen, Altersfaktoren wie Kindheit, Jugend, Alter führen zur Indikationsstellung der Künstlerischen Therapien im Akutkrankenhaus. Die Patienten haben schwere körperliche Erkrankungen und erleben dadurch ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis.

Texttrenner LL

Künstlerische Therapien bieten nach Expertenansicht und gemäß nationaler wie internationaler Leitlinien etablierte, unverzichtbare Behandlungsansätze in medizinisch-klinischen Fachbereichen und gehören zur "good medical practice".
Künstlerische Therapie arbeitet grundsätzlich ressourcenorientiert. Sie unterstützt und aktiviert das schöpferische Potenzial zur Selbstregulation. Die damit verbundene Ressourcenaktivierung umfasst soziale, kognitive, affektive, funktionale und körperliche Faktoren. Regelmäßig frequentierte Künstlerische Therapie führt zu verhaltensorientierter Veränderung und Entwicklung der Persönlichkeit sowie zum Aufbau von tragenden Coping-Strategien.
Seit über 20 Jahren hat sich die psychosoziale Versorgung fortlaufend weiterentwickelt und ist heute fest in die medizinische Versorgung integriert. Der Auftrag aller psychosozialen Mitarbeiter (Ärzte, Psychologen, Künstlerische Therapeuten, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, u.a.) wird darin gesehen, Patient und Angehörige bei der Krankheitsbewältigung, die eine existentielle Krise darstellt, zu unterstützen.

Texttrenner LL

Das Fallpauschalengesetzes stellt neben dem medizinischen und dem pflegerischen Bereich auch die psychosozialen Dienste vor Herausforderungen: damit diese Form der integrierten Versorgung auch in Zukunft für die Patienten und ihre Familien verfügbar sein soll, müssen sich auch psychosoziale MitarbeiterInnen an den rein ökonomischen Anforderungen des DRG-Systems orientieren und ihre Leistungen und Interventionen in den dafür notwendigen Formen dokumentieren.

Der vorliegende Leitfaden soll helfen, Künstlerische Therapien als psychosoziale Interventionen im Akutkrankenhaus im gültigen OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel) möglichst umfassend und richtig zu kodieren. Dadurch kann die Kostenrelevanz dieser Tätigkeiten sichtbar gemacht werden; dies ist eine Voraussetzung für die Sicherung der Finanzierung psychosozialer Leistungen im Akutkrankenhaus innerhalb des Fallpauschalensystems.

Der Leitfaden stützt sich auf:
- den aktuellen OPS-Katalog (nachzulesen unter www.dimdi.de)
- den Kodierleitfaden der GPOH und PSAPOH. (Vgl. Grießmeier et al 2004 und Kodierleitfaden nachzulesen unter www.kinderkrebsinfo.de)
- den Kodierleitfaden der BAG-PVA (nachzulesen z.B. unter www.dapo-ev.de)
- Informationen des DFKGT, BVAKT, der AG Imp der BAG Künstlerische Therapien, ehem. AG DRG FKT und des Lehrstuhls für Qualitative Forschung in der Medizin, Prof. Dr. Aldridge (nachzulesen unter www.musictherapyworld.net)

Texttrenner LL

Einführung DRG-System:
Mit der Einführung des Fallpauschalengesetzes durch die Bundesregierung wurde ein grundsätzlich neuer Weg zur Finanzierung stationärer Krankenhausaufenthalte gewählt: An die Stelle der bisherigen Pflegesätze trat seit 1.1.2002 die Abrechnung über Fallpauschalen; d.h. die jeweilige Krankenkasse zahlt bundesweit einheitliche Sätze pro DRG (diagonis related group/Fallpauschale) an die jeweilige Klinik. Die ca. 650 DRGs setzen sich zusammen aus definierten Kombinationen von Haupt- und Nebendiagnosen sowie den geleisteten Prozeduren und werden vom sog. Grouper (Softwareprogramm) errechnet. Die Entgelte für jede DRG werden jährlich neu festgelegt; es geht dabei ausdrücklich nicht um eine Abrechnung von Einzelleistungen pro Patient, sondern Patienten werden zu ökonomisch vergleichbaren Gruppen zusammengefasst. Innerhalb jeder DRG gibt es vier Schweregrade, die ebenfalls durch eine Kombination von Nebendiagnosen und Prozeduren definiert sind.
Der Einsatz psychosozialer Interventionen ist bisher nicht schweregradsteigernd und hat damit bis heute keine ökonomische Relevanz.

Texttrenner LL

Auf Initiative des Deutschen Fachverbandes für Kunst- und Gestaltungstherapie (DFKGT) und Berufsverbandes für anthroposophische Kunsttherapie (BVAKT) wurde seit 2000 intensiv die Frage bewegt, wie die psychosoziale Versorgung durch Künstlerische Therapien auch unter den verschärften ökonomischen Bedingungen des DRG- Systems erhalten bleiben kann. Die Auseinandersetzung mit dieser Frage führte bereits 2001 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft DRG Fachgesellschaften Künstlerischer Therapien (AG DRG FKT) sowie zur Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft psychosoziale Versorgung im Akutkrankenhaus (BAG-PVA), der heute viele Fachgesellschaften und Organisationen angehören (siehe www.bag-pva.de). Der DFKGT, mit Unterstützung der AG DRG FKT, der Bundesarbeitegemeinschaft Künstlerische Therapien (siehe www.bag-kuenstlerische-therapien.de)  sowie der Internationalen Gesellschaft für Kunst, Gestaltung und Therapie (IGKGT) hat sich die BAG-PVA seither bemüht, die notwendigen Vorraussetzungen zur Integration psychosozialer Leistungen in das DRG-System zu schaffen.

Dabei spielte zunächst die Tatsache eine wesentliche Rolle, dass bis 2001 psychosoziale
Tätigkeiten im OPS überhaupt nicht abbildbar und damit auch nicht berechenbar waren. Nach mehreren Revisionsanträgen beim DIMDI (Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information), konnte ab 2005 diese Lücke geschlossen werden: Die im Jahr 2004 noch im sog. Ergänzungskatalog erfassten psychosozialen Interventionen wurden weitgehend in den amtlichen Katalog übernommen

In weiteren Schritten muss sichergestellt werden, dass die in den Kliniken erbrachten psychosozialen Leistungen sowohl in den jeweiligen Patientenakten dokumentiert werden, als auch in den EDV-Systemen der Kliniken erfasst werden. Nur dann ist eine Weiterleitung der Daten an das Institut für Entgeltsysteme im Krankenhaus (InEK) gewährleistet.

Und erst dann kann durch entsprechende Berechnungen geprüft werden, ob der Einsatz psychosozialer Interventionen z.B. bei bestimmten Patientengruppen vom ökonomischen Aufwand her eine Schweregradsteigerung innerhalb bestimmter DRG's rechtfertigt.


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